Smarte Uhren | Android Wear allgemein

Smartphones und Tablets avancieren zu beliebten Gaben unterm Tannenbaum, zunehmend ergänzt durch smarte Uhren. Android Wear hat unter den verschiedenen Systemen die größte Modellvielfalt und lässt sich seit kurzem auch mit iPhones koppeln (siehe ganz unten). Man kann ein Smartphone mit mehreren Uhren verbinden, jede Uhr aber nur mit einem Smartphone.

Modelle

Modell-Unterschiede | Während Smartphones von den Herstellern oft viel zusätzlichen Schnickschnack erhalten, schränkt Google Anpassungen von Android Wear stark ein – zugunsten problemloser Updates. Während manches Smartphone sein Update spät oder gar nicht bekommt, können Smartwatches in der Regel zeitnah aktualisiert werden. Abgesehen von den Zifferblättern, die jeder Hersteller in individueller Anzahl selbst beisteuert, unterscheiden sich die Uhren vorrangig in Material, Design und Hardware-Ausstattung: Während bis auf die Zenwatch von Asus alle einen Pulsmesser haben, kündigen sich bislang nur die Moto 360 Sport und LG Watch Urbane 2 mit eigenem GPS an, was sie beim Laufen oder Radfahren vom Smartphone unabhängig macht, denn die Trainingsdaten werden auch im Nachhinein synchronisiert. Update: LG hat die Watch Urbane 2 vorerst zurück gezogen. Der Verkauf der Moto 360 Sport startet am 18. Dezember zunächst in Frankreich und Großbritannien; Angaben zu Deutschland stehen noch aus. Dank Mobilfunkmodul kann man mit der LG Uhr sogar telefonieren. Zu Hause oder im Büro verbinden sich die neueren Uhren auch über WLAN. Dadurch werden Nachrichten auch dann noch übertragen, wenn das Smartphone in einem anderen Raum außerhalb der Bluetooth-Reichweite liegt. Bei Prozessor und Speicher setzen nahezu alle Hersteller aktuell auf den Qualcomm-Chip Snapdragon 400, 512 Megabyte Arbeits- und 4 Gigabyte Datenspeicher. Den Akku hingegen passen sie der Displaygröße – als Verbraucher – und dem Energiehunger der weiteren Hardware an. Während LGs Watch Urbane 2 den Großteil ihrer 570 Milliampere für den Mobilfunk braucht, kommen die anderen mit 300 oder 400 Milliampere über den Tag. Ob auch zwei Tage drin sind, hängt von vielen Faktoren ab: Zeitanzeige im Standby, Häufigkeit der Aktivierung, Zahl der eingehenden Benachrichtigungen sowie Nutzung für Training oder Navigation. Auch die eingestellte Helligkeit und der Displaytyp spielen eine Rolle: AMOLED-Displays sparen vor allem bei dunklen Hintergründen respektive Zifferblättern Energie, weil sie nur die weißen und farbigen Bildteile beleuchten. Sie gelten gegenüber LCD-Displays auch als schärfer und kontrastreicher, LCD dafür als heller.

DisplayTyp

Links eine Huawei Watch mit AMOLED-Display, rechts der LCD-Screen der Moto 360, beide in der höchsten Helligkeitsstufe. Der schwarze Rand der Moto 360 ist einem Lichtsensor für die automatische Helligkeitsregulierung geschuldet, die der Huawei Watch fehlt.

Um das Display in der Sonne besser zu sehen, kann man die Helligkeit durch dreifachen Druck auf die Krone der Uhr kurzzeitig maximieren. Zweimal Drücken schaltet es aus, um den Akku zu schonen oder im Kino nicht zu stören. Ein einfacher Druck wechselt zwischen aktivem Display und Standby, was ansonsten auch durch ein Display-Timeout (» Standby) bzw. Anheben des Armes (» aktiv) geschieht. Der Standby-Bildschirm ähnelt immer dem gerade gewählten Zifferblatt, wie hier bei der Weltzeituhr, einem von 40 Watchfaces der Huawei Watch, zu sehen:

Huawei Watch mit aktivem und Standby-Bildschirm

Huawei Watch mit aktivem und Standby-Bildschirm

Benachrichtigungen | Ein großer Vorteil sind die diskreten Information über eingehende Nachrichten oder Anrufe – und das Wissen: wenn die Uhr am Handgelenk nicht vibriert, ist auf dem Handy auch nichts angekommen; der Griff zur Gesäß-oder Handtasche lohnt nicht und wird zu keinem anderen Ergebnis führen. Auch eine Art der Entschleunigung. Für Benachrichtigungen vibriert die Uhr ein oder zweimal, bei einem Anruf dauerhaft, so dass man diese beiden Fälle gut unterscheiden kann. Auch ohne Telefon-Interface kann man Anrufe annehmen und dann erst das Smartphone vom Couchtisch holen, oder sie abweisen, mit oder ohne Textnachricht.

Wer vorübergehend nicht gestört werden will, kann die Benachrichtigungen inklusive eventueller Weckrufe ganz oder bis auf Wichtige ausschalten. Eine generelle Einschränkung der Benachrichtigungen ist über die App Android Wear auf dem Smartphone möglich, das wiederum mindestens mit Android 4.3 laufen muss.

Links: Benachrichtigungen filtern oder ganz deaktivieren, die Einstellung gilt dann auch für das Smartphone, Mitte: Der Kalender zeigt nur die Termine des aktuellen Tages, Rechts: Textnachricht

Apps | Obwohl zahlreiche Apps Android Wear unterstützen, geht über die Benachrichtigungen hinaus noch nicht allzu viel, Updates erweitern den Funktionsradius aber nach und nach. Musik-Apps wie Spotify oder Sporttracker wie Runtastik können über das Handgelenk die Musikwiedergabe steuern bzw. das Training starten oder stoppen. Auf Benachrichtigungen von WhatsApp- oder dem Facebook Messenger kann man direkt Antworten diktieren. Per Spracheingabe können auch die Google-Basics abgefragt bzw. erfasst werden:

  • Notizen und Erinnerungen
  • Schrittzähler und Pulsmesser
  • SMS und E-Mail senden
  • Terminabfrage (nur für den aktuellen Tag)
  • Navigation starten
  • Timer, Stoppuhr und Wecker
  • Musik-Player starten (auf dem Smartphone)

Wo es Sinn macht, Emojis zuzufügen, muss man sich nicht erst durch die lange Liste wühlen, sondern kann sie grob zeichnen und erhält eine dazu passende Auswahl:

Googles Sprachsuche funktioniert für die reine Internetrecherche ganz gut; für Anderes ist der Griff zum Smartphone dann eben doch teilweise unumgänglich:

Google-Sprachsuche

Die Navigation wird ebenfalls per Sprache gestartet. Man braucht allerdings ein wenig Geduld, bis Google einen im Straßenverkehr versteht, ortet, und die Karte auf der Uhr anzeigt.

iPhoneiPhone | Seit September ist auch das iPhone im Boot, Voraussetzung ist mindestens iOS 8.2. Im ersten Wurf laufen nur die von Google oder dem Uhrenhersteller installierten Apps, und auch das noch nicht in vollem Umfang: aus der obigen Liste der Google Basics fallen auf dem iPhone die Notizen, SMS, E-Mail, Navigation und der Start des Musik-Player raus. Erinnerungen und Termine kann man auch auf dem iPhone sprachgesteuert anlegen. Internet-Rechercheergebnisse werden in der Android-App auf dem iPhone angezeigt – da kann man dann auch besser Siri bemühen. So reduziert sich das Zusammenspiel bislang hauptsächlich auf die die Benachrichtigungen, die man auch hier einzeln abschalten kann. Kein Vergleich also bislang mit der Funktionalität der Apple Watch. Aber Google baut das sicher noch aus.

2 thoughts on “Smarte Uhren | Android Wear allgemein

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